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Dem Ausflug steht der Wolf nicht im Weg

Mit Kindern und Jugendlichen unterwegs in Gebieten mit Wolfsvorkommen


Menschen – Kinder wie Erwachsene – gehören nicht in das Beutespektrum von Wölfen. Eine mögliche Gefährdung durch Wildtiere, seien es Wildschweine, Rehböcke in der Paarungszeit, Zecken oder sonstige, ist nie zu 100 Prozent auszuschließen, deshalb kann auch eine Gefährdung durch Wölfe nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden.

Eine Gefährdung der Kinder durch Wölfe oder beispielsweise durch die anderen genannten größeren Wildtiere ist aber unter anderem auch darum besonders gering, weil durch die Kinder ein gewisser Geräuschpegel im Wald verursacht wird, so dass Wölfe – wie alle anderen Wildtiere auch – diesen Bereich meiden werden.

Hinzu kommt bei Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen, dass Kinder und Jugendliche der Aufsichtspflicht der Erzieher beziehungsweise Betreuer unterliegen. Sie werden die ganze Zeit beaufsichtigt oder betreut und spielen meist in Gruppen. Aus fachlicher Sicht gibt es daher keinen Grund, auf die Durchführung von Waldwochen/-tagen oder auf Ausflüge zu verzichten.


Positive Erfahrungen in anderen Bundesländern

In Sachsen hat man seit mehr als 15 Jahren Erfahrungen im Zusammenleben mit Wölfen gesammelt. Laut Auskunft des Kontaktbüros Wölfe in Sachsen sowie des Instituts LUPUS gibt es auch in den sächsischen Wolfsgebieten Waldkindergärten, sehr naturnah gestaltete Kindergärten sowie Waldschul- oder Schullandheime, in denen sogar extra für Kinder Projekttage, Veranstaltungen und Exkursionen durchgeführt werden. Dort gibt es keine Probleme, Anfragen oder Aufregungen über die Anwesenheit von Wölfen in unmittelbarer Nachbarschaft dieser Einrichtungen.

Auch gab es dort bislang keine Situation, die zum Beispiel eine spezielle Sicherung von Waldkindergärten erfordert hätte. Es gab und gibt ebenso keinen Anlass, eine Gefahr für Kindergärten oder Schulen zu erwarten. Auch aus den angrenzenden europäischen Ländern gibt es diesbezüglich keine Meldungen.

Begegnung Wolf und Mensch

Ein Wolfsvorkommen in einer Region bedeutet nicht, dass sich die Wölfe ständig an einem Ort aufhalten. Ein Wolfsterritorium ist groß, es umfasst in Mitteleuropa zwischen 150 und 350 Quadratkilometer. In diesem Territorium lebt ein Rudel mit durchschnittlich fünf bis zehn Tieren.

In gewissen zeitlichen Abständen laufen Wölfe ihr Territorium ab. Daher ist es auch vollkommen normal, wenn Wölfe durch Siedlungen oder an Ortschaften vorbeilaufen, Felder oder Straßen queren – insbesondere in der Dämmerung oder in der Nacht, manchmal auch tagsüber in Zeiten geringerer menschlicher Aktivitäten.

Denn Wölfe akzeptieren Siedlungen und Ortschaften als Bestandteile ihres natürlichen Lebensraums, sie sind nicht auf „Wildnis-Gebiete“ angewiesen. Es genügt ihnen, wenn sie ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für die Wurfhöhle oder Ruheplätze für den Tag sowie genug Nahrung finden. Auch die durch die Presse bekannt gewordenen Sichtungsmeldungen von Wölfen in Ortschaften, in der Nähe von (Wald-)Kindergärten oder ähnliche Vorkommnisse sind unter diesen Aspekten zu bewerten.

In der Regel bekommt man selten einen Wolf zu Gesicht. Bei Jägern oder Autofahrern, die in der Dämmerungszeit unterwegs sind, kann das eher mal vorkommen. Wie andere Wildtiere auch, meiden Wölfe den Kontakt zu Menschen. Werden sie überrascht, sondieren sie die Lage und treten den Rückzug an. Der Rückzug kann fluchtartig geschehen oder in Ruhe, das ist abhängig von der individuellen Fluchtdistanz eines jeden einzelnen Tieres.

Jungtiere können unter Umständen die Begegnungssituation noch nicht so gut einschätzen und flüchten dann nicht sofort oder sind sogar etwas neugierig. Sie ziehen sich aber in der Regel dann auch schnell zurück oder sie entfernen sich, indem sie - mit ausreichender individueller Fluchtdistanz - ihren eingeschlagenen Weg weitergehen.

Ein auffälliges Verhalten wäre dagegen, wenn ein Wolf zum Beispiel tagsüber wiederholt an einem von Menschen genutzten Ort auftaucht, um gezielt eine Futterquelle aufzusuchen. In diesem Fall gilt - wie eigentlich für alle anderen Wildtiere auch - keine Abfälle oder Komposthaufen mit tierischen Essensresten frei zugänglich zu lassen, sondern abzusperren. Auch Waschbären und Wildschweine wühlen zum Beispiel in Mülltonnen oder werfen diese um. Daher sollten Mülltonnen auch fest stehen und fest verschlossen sein.

Für Waldkindergärten und Gruppen, die bestimmte Plätze im Wald immer wieder aufsuchen, ist es besonders wichtig, darauf zu achten, auch an diesen Orten keine Abfälle zu hinterlassen. Dadurch können Wildtiere daran gewöhnt werden, an diesen Orten regelmäßig nach Nahrung zu suchen!

Situationen, in denen sich Wölfe auffällig verhalten, in dem sie Menschen sehr nah an sich heranlassen beziehungsweise sogar aktiv die direkte Nähe zu Menschen suchen, sind extrem selten. In Niedersachsen gab es solche Begegnungen bisher nur von wenigen Wölfen, die dem Munsteraner Rudel zuzuordnen waren. Diese Tiere hatten mit hoher Wahrscheinlichkeit in ihrer Welpenzeit positive Erfahrungen mit Menschen gemacht. Das hat sie darin bestärkt, die direkte Nähe von Menschen zu dulden beziehungsweise sogar zu suchen. Dieses Verhalten ist aber als Sonderfall zu betrachten und unterschied sich stark vom typischen Wolfsverhalten.

Den Wolf zum Thema machen

Kindergärten, Schulen und Vereine mit Kinder- und Jugendarbeit können den Wolf auch aktiv zum Thema machen. In Niedersachsen hat das Umweltbildungszentrum SCHUBZ Lüneburg zusammen mit der Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. eine Bildungsinitiative entwickelt, speziell für Kinder und Jugendliche: Den Wölfen auf der Spur.

Mit EDU-Wildlife (Education about Wildlife) hat das SCHUBZ eine länderübergreifende Bildungsinitiative gestartet und entwickelt mit verschiedenen Partnern aus Deutschland und Rumänien sowie mit Bildungszentren in Niedersachsen Bildungsinhalte und Methoden zur Koexistenz mit großen Wildtieren (Bär, Luchs und Wolf) und vernetzt zudem Pädagogen und Akteure international.

Auch der NABU (Naturschutzbund Deutschland) hat umfangreiche Unterrichtsmaterialien zur Bildungsarbeit für Kitas und Schulen erarbeitet.

Das Wolfcenter in Dörverden ist ein unabhängiges Wolfkompetenzzentrum und bietet auch Informationen für Schulen und Kindergärten. Die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe stellt ebenfalls kostenlos Informations- und Arbeitsmaterialien zur Verfügung.

Wolfbüro des NLWKN
Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Wolfsbüro im NLWKN

Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3034 (Mo-Fr: 9.00-12:00 Uhr; Mo-Do: 13:00-16:00 Uhr)
Fax: +49 (0)511 / 3034-3509

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