Als Grundwasser wird das unterirdische Wasser bezeichnet, das die Hohlräume des Untergrundes zusammenhängend ausfüllt. Das Grundwasser fließt in überwiegend sandigen oder kiesigen Grundwasserleitern (Aquifer) bei entsprechendem Wasserspiegelgefälle den oberirdischen Gewässern entgegen und tritt schließlich in diese ein. Schluffige und tonige Bodenarten lassen keine oder nur sehr geringe Grundwasserbewegungen zu; sie werden als Grundwasserhemmer bezeichnet.
Je nach den geologischen Verhältnissen können ein oder mehrere Grundwasserstockwerke übereinander liegen, deren einzelne Grundwasserleiter jeweils durch zwischengelagerte Grundwasserhemmer voneinander getrennt sind. Im obersten Grundwasserstockwerk steht das "freie" Grundwasser unter atmosphärischem Druck. In darunter liegenden Stockwerken kann "gespanntes" Grundwasser vorkommen.
Das Grundwasser ist ein Teil des natürlichen Wasserkreislaufes und zugleich unser größter und wichtigster Süßwasserspeicher. Aus ihm speisen sich Quellen, Flüsse und Seen. Oberflächennahe Grundwasservorkommen versorgen Pflanzen mit Wasser und lassen wertvolle Feuchtbiotope entstehen. Es ist nicht zuletzt die Grundlage unserer Trinkwasserversorgung.
Trinkwasserbedarf
Der Trinkwasserbedarf des Landes kann derzeit in ausreichender Menge und guter Qualität gedeckt werden. Die Qualität des Trinkwassers wird von den Wasserversorgern überwacht. Sie muss die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung einhalten.
In Niedersachsen stellt die öffentliche Wasserversorgung rund 600 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr bereit. Davon werden 85% unmittelbar aus dem Grundwasser oder aus gefassten Quellen entnommen. Der Rest kommt ganz überwiegend aus den Talsperren des Harzes. Uferfiltration und Grundwasseranreicherung aus Oberflächengewässern spielen in Niedersachsen mengenmäßig bisher keine Rolle.
Schadstoffeinträge
In einigen Gebieten ist das Grundwasser durch punktuelle oder flächenhafte Schadstoffeinträge belastet. Der Gehalt an Nitrat sowie Funde von Pflanzenschutzmitteln geben nach wie vor für einige Grundwasservorkommen Anlass zur Besorgnis. Die allgemein zu beobachtende Versauerung der Gewässer macht dort, wo eine Pufferung durch basische Gesteine fehlt, auch vor dem Grundwasser nicht halt und äußert sich in steigenden Aluminium- und Schwermetallgehalten.
Besonders gefährdet ist das Grundwasser in Regionen, in denen über dem Grundwasserleiter keine schützenden, wenig durchlässigen Bodenschichten ausgebildet sind, so dass mit der Grundwasserneubildung ein schnelles Eindringen von Schadstoffen erfolgen kann. Bei andauernder Stoffanlieferung können auch tiefergelegene Grundwasservorkommen nachteilig verändert werden. Diese Gefahr besteht besonders dort, wo infolge umfangreicher Grundwasserentnahmen oberflächennahes Grundwasser weiträumig in tiefere Schichten vordringt.
Größere Grundwasserleiter im Lockergestein stellen in der Regel auch abbauwürdige Vorkommen für die Kies- und Sandgewinnung dar. Beim sogenannten "Nassabbau" wird die schützende Bodenschicht und das Speichergestein selbst entfernt. Das freigelegte Grundwasservolumen, aber auch das umgebende Grundwasser sind durch erhöhte Schadstoffeinträge gefährdet. Durch den ungehinderten Luftzutritt werden die hydrochemischen Verhältnisse im Grundwasser verändert. Darüber hinaus wird durch die Materialentnahme der Siedlungsraum der für das Selbstreinigungspotenzial maßgeblichen Mikroorganismen unwiderruflich zerstört.
Auch natürliche (geogene) Ursachen können die Grundwasserbeschaffenheit nachteilig verändern. Die Erzvorkommen des Harzes, aber auch die Folgen ihres Abbaus spiegeln sich in Bereichen mit erhöhten Schwermetallgehalten der Gewässer wider. An zahlreichen Stellen des Landes ist die Nutzung des Grundwassers durch Tiefenversalzung infolge Ablaugung von Salzstöcken eingeschränkt. Im Küstenbereich ist bei Entnahmen stets das empfindliche Gleichgewicht zwischen Meer- und Süßwasser zu berücksichtigen und zu überwachen.
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