NLWKN klar

Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht

Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen

Heft 3/12, 60 S., 4,- €
von Hans Schmid, Wilfried Doppler, Daniela Heynen & Martin Rössler

Downloads:

.

Vorwort zum Infodienst

„Frei wie ein Vogel in der Luft" - wer hat nicht selbst schon davon geträumt? Wir sind fasziniert von den rasanten Mauerseglern, die mit unglaublichem Tempo um Häuserblocks schwirren, von Greifvögeln oder Störchen, die majestätisch ihre Kreise über uns ziehen, oder von großen Finkenschwärmen, die im Herbst und Winter Felder und angrenzende Gärten auf der Suche nach Nahrung durchkämmen. Viele Vogelarten haben unsere Städte und Dörfer längst als einen für sie attraktiven Lebensraum entdeckt. Sie wissen ihn umso erfolgreicher zu nutzen, je höher ihre Anpassungsfähigkeit entwickelt ist.

Doch zum Überleben zählt auch, Gefahren rechtzeitig zu entdecken und darauf reagieren zu können. So hat eine Meise in guter körperlicher Verfassung immer eine gewisse Chance, den heransausenden Sperber zu erkennen und ihm zu entkommen - im Feldgehölz wie auch am Futterhaus. „Mehr Glück als Verstand" braucht der Vogel hingegen, um eine durchsichtige oder die Umgebung spiegelnde Glasscheibe als ein Hindernis zu erkennen. Vögel besitzen mit ihren seitlich am Kopf liegenden Augen zwar einen weiten „Rundumblick", doch nur ein vergleichsweise kleiner Winkel wird von beiden Augen gleichzeitig abgedeckt. Das schränkt ihre räumliche Wahrnehmung ein. Nahezu chancenlos endet ihr Flug dadurch allzu oft an gläsernen Bushaltestellen, Einkaufspassagen, Wintergärten oder Terrassenfenstern.

Lange Zeit ist wenig unternommen worden, um den Gefahren des „Vogelschlags" wirksam entgegen zu treten. Aufklebbare „Greifvogelsilhouetten" wurden - und blieben - das Symbol eher verzweifelter Versuche, hier Abhilfe zu schaffen. Doch bei weiträumiger Verteilung über der Fensterfläche mussten auch diese nahezu wirkungslos bleiben.

Erst seit wenigen Jahren befassen sich Wissenschaftler und auch Glashersteller intensiver mit diesem Thema. Was sie an wirksamen Lösungen herausgefunden und an „Vogelschutzgläsern" entwickelt haben, ist beachtlich. Ähnliches gilt für die Bemühungen, Tierverluste infolge nächtlicher Beleuchtung („Lichtverschmutzung") zu reduzieren. Auf beiden Gebieten sind nunmehr wichtige Anfänge gemacht. Die Erwartung besteht, dass sich die Wirksamkeit der eingesetzten Mittel im Zuge technischer Verbesserungen künftig noch erhöhen lässt. Das gilt nicht zuletzt für die Entwicklung von transparentem Vogelschutzglas, das überall dort benötigt wird, wo sichtbare Markierungen nicht zum Einsatz kommen können.

Die Vielfalt an wirksamen Lösungen hat zugenommen. Doch das Wissen um die technischen Möglichkeiten und ihre Produkte ist noch kaum verbreitet. Auf diese Lücke zielt die Publikation „Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht". Sie richtet sich nicht nur an Vogelfreunde, die dem Vogeltod an ihrer Wohnzimmerscheibe endlich einen Riegel vorschieben wollen, sondern ausdrücklich auch an Architekten, an Planer und an die kommunale Verwaltung. Denn den größten Nutzen erzielen alle, wenn der Kollisionsschutz für Vögel bereits in der Gebäudeplanung berücksichtigt wird und nicht erst hinterher nachgebessert werden muss.

Die Länderarbeitsgemeinschaft der Staatlichen Vogelschutzwarten erhielt die Möglichkeit, eine Publikation der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zu diesem Thema auch in Deutschland herauszugeben, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Für Niedersachsen erscheint der unveränderte Nachdruck im vorliegenden Informationsdienst Naturschutz. Niedersachsens Fachbehörde auf dem Gebiet des Vogelschutzes erhofft sich mit der Herausgabe des Heftes eine spürbare Bewusstseinsschärfung beim Einsatz von Glas und Licht.

Dr. Markus Nipkow, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte im NLWKN

.

nach oben
.
Inhalt

Vorwort
Einführung
Vögel - unsere nächsten Nachbarn
Wie nimmt ein Vogel seine Umwelt wahr?
Drei Phänomene und ihre Folgen
Glas als Vogelfalle
Durchsicht
Spiegelungen
Vogelfreundliche Lösungen
Reduktion von Durchsichten
Im Flugkanal geprüfte Markierungen
Alternative Materialien und Konstruktionen
Reduktion der Spiegelwirkung
Nachträgliche Schutzmaßnahmen
Umgebungsgestaltung
Fallbeispiele
Zeitgemäße Lösungen
Aktuelle Forschung
Licht als Vogel- und Insektenfalle
Angezogen wie die Motten vom Licht
Tierfreundliche Lösungen
Technische Maßnahmen
Betriebliche Maßnahmen
Merkpunkte
Bibliografie, Produkte und weitere Infos
Kontaktadressen für fachliche Beratungen

.

Vorwort

Es bewegt sich was! Als wir 2008 die Erstausgabe dieser Publikation bereitgestellt und an zahlreiche Architekturbüros und die Bauverwaltungen aller Schweizer Gemeinden versandten, ahnten wir noch nicht, wieviele Echos wir damit auslösen würden. Die Broschüre wurde kürzlich auf Spanisch übersetzt, Frankreich, Deutschland und Luxemburg haben sie in der Zwischenzeit in eigenen Versionen publiziert.

Unser Leitfaden stieß bei der Bauwirtschaft auf viel Goodwill und Anfragen für vogelfreundliche Lösungen haben seither markant zugenommen. Erfreulicherweise sind unsere Empfehlungen in vielen Fällen aufgenommen und neue Ideen umgesetzt worden. Fortschrittliche Gemeinden haben begonnen, Bauvorhaben auch auf deren Vogelfreundlichkeit zu prüfen und fordern da und dort Nachbesserungen. Vermehrt haben auch die Medien das Thema aufgenommen und auf die vielen Opfer hingewiesen - Opfer, die bei umsichtiger Planung nicht nötig wären. Die Glasindustrie bemüht sich ernsthaft, Produkte auf den Markt zu bringen, welche die Kollisionsrate massiv senken. Auch in Wissenschaft und Praxis sind neue Erkenntnisse zusammengekommen.

Damit ergaben sich mehr als gute Gründe, unsere Broschüre neu aufzulegen. Wir haben die Gelegenheit benutzt, um viele neue Beispiele und Erkenntnisse einfließen zu lassen, sie zu erweitern und unsere Empfehlungen dem neuesten Kenntnisstand anzupassen.

Trotz klar erkennbarer Fortschritte müssen wir weiterhin festhalten, dass es noch einen weiten Weg zu gehen gilt. Nach wie vor werden täglich Bauten errichtet, bei denen sich jeder Vogelfreund fragt «wie konnte man nur?». Es bleibt unser Ziel, unnötige Vogelfallen zu vermeiden und gleichzeitig Bauherren, Glasindustrie, Architekten und Planer vor unliebsamer Kritik zu schützen. Zudem möchten wir die Entwicklung ästhetisch an sprechender, zukunftsweisender Lösungen voran treiben. Wir arbeiten daran. Unterstützen Sie uns dabei!

Dr. Lukas Jenni, Leiter Schweizerische Vogelwarte Sempach

nach oben

3/2012  
Bildrechte: NLWKN
NLWKN-WebShop / Bestellkatalog

Hier finden Sie die lieferbaren landesweiten Veröffentlichungen des NLWKN:

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Naturschutzinformation

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3305
Fax: +49 (0)511 / 3034-3501

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln