NLWKN klar

Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008

Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen
Heft 48
(2014), 552 S. + DVD, 29,- €
von Thorsten Krüger, Jürgen Ludwig, Stefan Pfützke und Herwig Zang
unter Mitarbeit von Peter Südbeck, Volker Dierschke, Gundolf Reichert, Volker Blüml, Thomas Brandt, Johannes Melter, Helmut Kruckenberg, Bernd Oltmanns, Tasso Schikore, Jochen Dierschke, Kerrin Lehn, Markus Richter, Frank-Ulrich Schmidt, Karsten Schröder und Jann Wübbenhorst


Ein Besprechungsvorschlag für den Brutvogelatlas steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Fakten zum Brutvogelatlas

Beispielseiten (PDF, 4,6 MB)


Inhalt
1 Einleitung
2 Bearbeitungsgebiet

2.1 Lage und Abgrenzung
2.2 Geografie und Landnutzung
2.2.1 Flächennutzung
2.2.2 Schutzgebiete
2.2.3 Bevölkerung
2.3 Naturräumliche Gliederung
2.3.1 Naturräumliche Regionen
2.3.2 Rote-Liste-Regionen
2.3.3 Naturräumliche Haupteinheiten (Naturräume) und Landschaften
2.4 Klima
2.5 Rastereinteilung
3 Material und Methode
3.1 Allgemeines zur ADEBAR-Kartierung, Organisation
3.2 Erfassungsmethoden
3.2.1 Erfassung häufiger Brutvogelarten
3.2.2 Erfassung seltener oder in Kolonien brütender Arten
3.2.3 Erfassung mittelhäufiger Brutvogelarten
3.3 Abdeckung und Plausibilitätskontrollen
3.4 Aufwand
3.5 Ergebnisdarstellung - Erläuterungen zum Gebrauch der Artkapitel
3.5.1 Arttexte
3.5.2 Abbildungsteil
3.6 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Danksagung
4 Ergebnisse
4.1 Die Brutvogelfauna im Kartierungszeitraum
4.1.1 Bilanz
4.1.2 Artenreichtum und Verteilung gefährdeter Arten
4.1.3 Vergleich mit dem Atlas 1981-1985
4.1.4 Verbreitung von Gilden
4.2 Artkapitel - Die Brutvögel in Niedersachsen und Bremen (208 Arten mit je einer Doppelseite Text + Karten)
5 Ausblick
6 Literatur

Anhang
Register der Vogelarten

DVD
208 Verbreitungskarten mit jeweils 14 Themenlayern
Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen - digital


nach oben


Fakten zum Brutvogelatlas
Was ist ein Brutvogelatlas?
Erstellung
Wie viele Brutvogelarten gibt es?
Wo leben die Arten?
Wie viele Brutvögel gibt es?
Wie verbreitet sind die Arten im Land?
Artenreiche Gebiete in Niedersachsen
Vergleich der Brutvogelatlanten 1981-1985 und 2005-2008
- Änderungen der Anzahl der Paare
- Änderungen der Verbreitung der Arten
Ausblick Klimawandel
Fazit


Was ist ein Brutvogelatlas?
Ein Brutvogelatlas dokumentiert die Verbreitung aller Brutvögel eines Bearbeitungsgebiets in einem bestimmten Zeitabschnitt. Aus ihm lässt sich ablesen, welche Arten eine weite Verbreitung haben oder welche sich auf nur wenige Brutgebiete konzentrieren. Zusätzlich geht aus einem Brutvogelatlas hervor, wie häufig (oder selten) die Arten sind. Wiederholte Atlaskartierungen können Veränderungen des von den verschiedenen Brutvogelarten jeweils besiedelten Areals und ihrer Bestände aufzeigen.

Damit stellt ein Brutvogelatlas unentbehrliche Grundlagen für die Naturschutzarbeit und Wissenschaft zur Verfügung. Basierend auf den Ergebnissen lassen sich z. B. Gefährdungseinstufungen für die Arten in den Roten Listen sowie Prioritätensetzungen im Vogelschutz vornehmen. Der Einfluss von Klimaänderungen auf die Biodiversität lässt sich für Vögel als Indikator bei wiederholten Atlaskartierungen durch die Arealveränderungen aufzeigen.

Der neue Brutvogelatlas präsentiert die bei den Erfassungen in Niedersachsen und Bremen in den Jahren 2005-2008 gewonnenen Ergebnisse, interpretiert sie vor dem Hintergrund der bisher vorhandenen Kenntnisse und beschreibt die gegenüber dem vorigen Brutvogelatlas eingetretenen Veränderungen.

Erstellung
Der Brutvogelatlas basiert überwiegend den Daten ehrenamtlich tätiger Vogelkundler. Diese wurden einerseits im Rahmen des bundesweiten ADEBAR-Projektes erhoben. Die Mitglieder der Niedersächsischen Ornithologischen Vereinigung (NOV) hatten bereits 2004 beschlossen, sich an den Arbeiten zum Atlas Deutscher Brutvogelarten („ADEBAR"-Projekt) zu beteiligen. Die niedersächsische Kartierung sollte aber detaillierter als auf Bundesebene erfolgen, um mit den Ergebnissen eine Grundlage für einen aktualisierten niedersächsischen Atlas zu schaffen.

Andererseits flossen die Daten aus dem Niedersächsischen Vogelarten-Erfassungsprogramm des NLWKN - Fachbehörde für Naturschutz - in den Atlas ein, die ebenfalls überwiegend ehrenamtlich erhoben wurden.

Etwa 650 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Daten erhoben, und zwar durch echte, zeitaufwändige Kartierarbeit. Der zeitliche Aufwand des ehrenamtlichen Engagements für das gesamte Atlasprojekt liegt in einer Größenordnung von rund 60.000 Stunden.

Sehr wichtig war dabei die Anbindung des Projektes bei der Staatlichen Vogelschutzwarte in der Fachbehörde für Naturschutz (NLWKN) Niedersachsens. Diese Kombination aus hoch qualifiziertem ehrenamtlichen Engagement und fachbehördlicher Organisations-, Service- und Analysefunktion war ein Garant für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes.

Wie viele Brutvogelarten gibt es?
Im Kartierungszeitraum 2005-2008 wurden in Niedersachsen und Bremen insgesamt 208 Brutvogelarten festgestellt. Davon brüten 196 Arten regelmäßig, d. h. alljährlich, in Niedersachsen. Hierzu zählen Arten wie Haubentaucher, Uhu, Wanderfalke, Amsel, Singdrossel, Buchfink und Star.

Einige Arten brüten in Niedersachsen nur unregelmäßig (z. B. Seidenreiher) oder sind ursprünglich nicht in Niedersachsen heimisch, inzwischen aber fest eingebürgert (Neozoen), z. B. die Nilgans.

Wo leben die Arten?
Fast ein Drittel der Arten hat ihren Hauptlebensraum im Wald, knapp 30 % in Feuchtgebieten und gut 20 % im Offenland und in landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die restlichen Arten leben vorwiegend an der Küste, in den Siedlungen und in Trockenlebensräumen und an Sonderstandorten.

Die Anzahl der Brutpaare ist in den verschiedenen Hauptlebensraumtypen sehr unterschiedlich. Mit 31 % lebt der überwiegende Anteil im Wald, gefolgt von landwirtschaftlichen Flächen und Offenland sowie den Siedlungen.

Wie viele Brutvögel gibt es?
Die Gesamtbilanz für alle 208 Arten ergibt rund 13,7 Mio. Brutpaare (bzw. ca. 27,4 Mio. Brutvögel) in Niedersachsen und Bremen. Der Buchfink ist mit 1,9 Mio. Paaren die häufigste Brutvogelart, gefolgt von der Amsel mit 1,4 Mio. und der Ringeltaube mit 1 Mio. Paaren. Dagegen brüten z. B. von der Zwergdommel nur ein und vom Brachpieper nur noch drei Paare in Niedersachsen.

Wie verbreitet sind die Arten im Land?
40 Brutvogelarten (19 %) besiedeln jeweils mehr als 95 % der Fläche Niedersachsens und Bremens und sind damit nahezu flächendeckend verbreitet. Amsel und Feldlerche sind mit 99,8 % die am weitesten in Niedersachsen verbreiteten Arten. Dagegen ist die Verbreitung von 59 Arten (28 %) derart eingeschränkt, dass sie auf weniger als 5 % des Landes vorkommen.

Artenreiche Gebiete in Niedersachsen
Artenreiche Gebiete mit mehr als 100 unterschiedlichen Brutvogelarten liegen v. a. im Tiefland Niedersachsens, vermehrt im östlichen Teil. Schwerpunkt des Artenreichtums ist das gesamte Wendland mit der Mittelelbeniederung im Osten des Landes.

Vergleich der Brutvogelatlanten 1981-1985 und 2005-2008
Änderungen der Anzahl der Paare
In der Bilanz der Bestandsentwicklungen halten sich positive und negative Verläufe insgesamt die Waage. Bei 39 % der Arten hat sich der Bestand um mehr als 20 % vergrößert, bei 38 % hat er sich um mehr als 20 % verringert. Und bei knapp einem Viertel des gesamten Artenspektrums sind die Bestände in etwa konstant geblieben.

Zu den 60 Arten mit sehr starker Zunahme (> 50 %) gehören z. B. Löffler, Seeadler und Kranich. Bei 47 Arten haben sich dagegen die Bestände mindestens halbiert. Etwa jede fünfte Vogelart ist damit in ihrem Bestand sehr stark zurückgegangen, z. B. Zwergdommel, Bekassine und Ortolan.

Etwa die Hälfte der 42 Vogelarten der überwiegend landwirtschaftlich genutzten Landschaften ist im Bestand rückläufig, wie z. B. Kiebitz, Braunkehlchen und Feldlerche. Positiv haben sich hier hingegen die Bestände von z. B. Wachtel, Wiesenweihe und Steinkauz entwickelt. Die Vögel der Agrarlandschaft sind mittlerweile die am stärksten bedrohte Vogelartengruppe in Deutschland.

Bei den 31 Vogelarten der Gewässer stehen 20 Arten mit positiver Entwicklung fünf Arten mit negativem Verlauf gegenüber. So ist z. B. aus der 1981-1985 in nur etwa 500 Paaren vorkommenden Graugans so etwas wie eine „Allerweltsart" an den Gewässern geworden.

Zu den Erfolgsgeschichten des Vogelschutzes gehört auch die Rückkehr der Adler nach Niedersachsen: 1981-1985 noch als ausgestorben geltend, kamen 2005-2008 sechs Paare des Fischadlers und 21 Paare des Seeadlers vor.

Änderungen der Verbreitung der Arten
Bei der Hälfte der niedersächsischen Brutvogelarten ist die Verbreitung im Land im Vergleich zum vorherigen Atlas in etwa konstant geblieben. Bei der zweitgrößten Gruppe (35 %) hat sich das besiedelte Areal der Arten markant vergrößert (sehr groß z. B. bei Schellente, Kranich und Sperlingskauz). Bei 14 % der Arten hingegen ist eine Verkleinerung des Areals festzustellen. Mit der Bekassine hat z. B. eine ehemals in Niedersachsen weit verbreitete Charakterart der Niederungen nach 1985 noch einmal 54 % ihres Verbreitungsgebietes verloren.

Ausblick Klimawandel
Der vorliegende Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005-2008 stellt die Situation zu Beginn der prognostizierten erheblichen Klimaänderungen dar. Insofern ist hiermit ein wichtiger Grundstein gelegt, um die zukünftigen Auswirkungen der Klimaänderungen auf Zusammensetzung, Verteilung und Häufigkeit der Brutvogelfauna Niedersachsens feststellen und verfolgen zu können.

Angesichts der prognostizierten Klimaänderungen könnten alle Vogelarten einschließlich ihrer Lebensgemeinschaften im 21. Jahrhundert z. T. erheblich veränderten Lebensbedingungen ausgesetzt sein. Einer umfangreichen Studie zu Folge könnte sich das Areal europäischer Brutvogelarten bis zum Ende dieses Jahrhunderts im Durchschnitt um etwa 20 % verkleinern und sich deren Verbreitungszentrum etwa 550 km nach Norden und Osten verschieben.

In Deutschland könnten vor allem Feuchtgebietsarten und Vogelarten bestimmter Waldtypen deutlich abnehmen oder sogar ganz verschwinden (z. B. Fitis, Schwarz- und Weißstorch oder Bekassine).

In Niedersachsen können sich die Änderungen des Klimas v. a auf Vogelarten der Küste negativ auswirken. Am zweitstärksten können die Arten der Binnengewässer betroffen sein, an dritter Stelle die der Moore und Verlandungszonen. Damit kann es zu einem Großteil gerade jene Arten treffen, die als Küsten-, Feuchtgebiets- oder Moorvögel für Niedersachsen und Bremen besonders charakteristisch sind und für die das Bearbeitungsgebiet große Anteile am deutschen oder auch europäischen Bestand hat.

Fazit
Es ist äußerst sinnvoll, auch zukünftig vollständige Übersichten der gesamten niedersächsischen Brutvogelwelt zu erstellen. Sie können als eine Art zusätzliches, in größeren Zeitintervallen stattfindendes Monitoring angesehen werden, z. B. als „Klimafolgen-Monitoring": Vögel sind die bestuntersuchte Organismengruppe und eignen sich deshalb für die Beurteilung des Einflusses von Klimawandel auf die Biodiversität besonders gut. Ebenso können mittelfristige Veränderungen in der Agrarlandschaft anhand von Daten aus der Avifauna dokumentiert werden.

Dabei dürfte ein Zeitintervall von 20 Jahren zwischen den Atlanten geeignet sein, die eingetretenen Veränderungen ohne den Einfluss nur temporär wirkender Faktoren belastbar aufzuzeigen.


nach oben


DVD: Verbreitungskarten mit Themenlayern
Die dem Atlas beiliegende DVD enthält u. a. für jede der 208 Brutvogelarten eine PDF-Datei mit der Verbreitungskarte und jeweils 14 Themenlayern. Im PDF kann die jeweilige Verbreitungskarte der Art mit den verschiedenen Themenkarten, die auch im Atlas abgedruckt sind, überlagert werden. Dies kann Hinweise darauf geben, ob Verbreitung, Rückgang oder Ausbreitung einer Art z. B. von Klima, Waldverteilung, Grünlandrückgang oder Naturräumlicher Region abhängig sind.

Hinweise zu den PDF-Dateien
Beispiel-PDF-Datei: Verbreitungskarte+Themenlayer Bekassine (11 MB)

Brutvogelatlas  
NLWKN-WebShop / Bestellkatalog

Hier finden Sie die lieferbaren landesweiten Veröffentlichungen des NLWKN:

Artikel-Informationen

Ansprechpartner/in:
Naturschutzinformation

Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Göttinger Chaussee 76 A
D-30453 Hannover
Tel: +49 (0)511 / 3034-3305
Fax: +49 (0)511 / 3034-3501

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln