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Manchmal genügt ein Samenkorn – oder: was Sie tun können

Gartenbesitzer
Idealerweise pflanzen Sie gebietsfremde Pflanzenarten nicht in unmittelbarer Nähe eines Gewässers. Vor allem Fließgewässer stellen einen sehr effektiven Ausbreitungsweg für viele Pflanzensamen dar. Lagern Sie keine Gartenabfälle im Überschwemmungsbereich von Fließgewässern oder in der freien Landschaft ab. Vermehrungsstarke Arten können sich aus Wurzelstücken oder Sprossteilen regenerieren oder aus Samen auskeimen und neue Bestände bilden.

Imker
Verzichten Sie auf die Ausbringung gebietsfremder Arten als Trachtpflanzen für Ihre Bienen in der freien Natur (z.B. Herkulesstaude, Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute).

Jäger
Verzichten Sie auf die Ausbringung von gebietsfremden Arten als Wildäsung (z.B. Vielblättrige Lupine, Staudenknöterich) oder Deckung (z.B. Herkulesstaude)

Angler
Verhindern Sie Verschleppung gebietsfremder Arten von einem bereits besiedelten Gewässer in ein noch unberührtes Gewässer indem Sie Ihre Fanggeräte und sonstigen Ausrüstungsgegenstände bei einem Gewässerwechsel vorher reinigen.

In Niedersachsen halten Sie sich bei Besatzmaßnahmen an die genehmigungsfrei aussetzbaren Arten der Anlage zur Binnenfischereiordnung.

Tierhalter
Setzen Sie keine Tiere aus Ihrer Haltung aus. Betreiben Sie ein an die Nachfrage angepasstes Zuchtmanagement, so dass Sie erst gar nicht mit dem Problem überzähliger Tiere konfrontiert werden. Stellen Sie sich auch bei einer Beendung Ihrer Tierhaltung der Verantwortung für Ihre gepflegten Tiere, indem Sie ein neues Zuhause für sie suchen. Das Aussetzen von Tieren führt im besten Fall zu einem schnellen Tod durch Fressfeinde, im schlechten Fall dagegen zu einem qualvollen Tod durch Verhungern, Krankheit oder Erfrieren. Im schlimmsten Fall entwickeln sich die ausgesetzten Tiere zu einer tödlichen Bedrohung für heimische Tiere als Nahrungskonkurrenten, Fressfeinde oder Krankheitsüberträger. Das Aussetzen von Tieren ist also in keinem Fall eine Lösung.

Verhindern Sie durch geeignete Haltungseinrichtungen und umsichtiges Verhalten ein Entkommen Ihrer Tiere aus der Haltung.

Befolgen Sie das Besitzverbot für die potenziell invasiven Tierarten Amerikanischer Biber, Schnappschildkröte, Geierschildkröte und Grauhörnchen. Nur vor dem 22.10.1999 bereits erworbene Tiere sind noch geduldet. Ihre Abgabe und die Zucht mit ihnen sind verboten.

Lassen Sie körnerhaltige Futtermittelreste nicht in die freie Natur gelangen. Sie können dort auskeimen und neue Bestände bilden (z. B. Beifußblättrige Ambrosie).

Aquarianer
Zusätzlich zu den Hinweisen für Tierhalter sollte Sie noch daran denken, den Inhalt Ihres Aquariums keinesfalls in ein Gewässer gelangen zu lassen.

Naturliebhaber
Bringen Sie keine gebietsfremden Arten zur „Bereicherung" der heimischen Natur in der freien Landschaft aus. Sie erreichen unter Umständen genau das Gegenteil Ihrer ursprünglichen Absicht.

Aktivisten im Tierschutz
Das Freilassen von Käfigtieren ist keine tierschutzgerechte Lösung für die betroffenen Individuen und kann überdies den Lebensgemeinschaften in freier Natur erheblichen Schaden zufügen.

Bitte beachten Sie
Entsprechend dem § 40 Absatz 4 Bundesnaturschutzgesetz ist nur das Ausbringen von Tieren der Arten genehmigungsfrei, die dem Jagd- oder Fischereirecht unterliegen und im Gebiet bereits vorkommen.

Ebenfalls genehmigungsfrei dürfen Tiere für Zwecke des biologischen Pflanzenschutzes ausgebracht werden, wenn ihre Arten entweder im Gebiet bereits vorkommen oder der Einsatz über eine pflanzenschutzrechtliche Genehmigung zugelassen ist.

Pflanzen gebietsfremder Arten dürfen genehmigungsfrei nur im Rahmen des land- oder forstwirtschaftlichen Anbaus ausgebracht werden.

Bis zum 1. März 2020 wird für Gehölzpflanzungen und Ansaaten in der freien Landschaft nahe gelegt, auf Arten zurückzugreifen, die dort ihr natürliches Verbreitungsgebiet haben.

Gemäß § 40 Absatz 6 Bundesnaturschutzgesetz kann die zuständige Behörde die Beseitigung ungenehmigt oder unabsichtlich in die freie Natur entkommener Tiere und Pflanzen anordnen.

Kanadische Wasserpest

Kanadische Wasserpest: Diese nordamerikanische Wasserpflanzenart wurde in Berlin ausgesetzt und hat von dort aus die mitteleuropäischen Binnengewässer besiedelt. Foto: Kistian Peters (Wikipedia)

Rotwangenschmuckschildkröte

Rotwangenschmuckschildkröte. Diese nordamerikanische Sumpfschildkrötenart gelangt durch wiederholte Aussetzungen in unsere Binnengewässer. Foto: Fruggo (Wikipedia)

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