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Ökologie und Schutz des Ortolans (Emberiza hortulana) in Europa

IV. Internationales Ortolan-Symposium

Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen
Heft 45
(2009), 173 S., vergriffen
von Petra Bernardy (Hrsg.) unter Mitarbeit von Peter Südbeck, Herwig Zang und Berd Oltmanns

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Inhalt

  • Vorwort
  • 1 Zur Situation des Ortolan in Niedersachsen im europäischen Kontext
    Bernd Oltmanns & Hans-Günther Bauer
  • 2 Ortolane in Nordrhein-Westfalen verschwunden?
    Bernd von Bülow, Manfred Kipp & Paul Schnitzler
  • 3 Zur Bestandssituation des Ortolans in Brandenburg
    Tobias Dürr & Torsten Ryslavy
  • 4 Bestandssituation des Ortolans (Emberiza hortulana) in Sachsen
    Joachim Ulbricht
  • 5 Der Ortolan in Mainfranken
    Alf Pille
  • 6 Übersicht der Bestandsentwicklung des Ortolans (Emberiza hortulana) in Ungarn zwischen 1995 und 2006
    Gábor Magyar
  • 7 The distribution of the Ortolan Bunting in South Moravia, CzechRepublic
    Karel Šimecek
  • 8 Diagnosing causes of population decline of the Ortolan Bunting in Norway: Importance of dispersal and local patch dynamics
    Svein Dale
  • 9 Investigation into the reasons for the population collapse of the Ortolan Bunting (Emberizahortulana)in Finland
    Ville Vepsäläinen, Timo Pakkala, Markus Piha & Juha Tiainen
  • 10 Oat fields for the benefit of Ortolan Buntings Emberiza hortulana? An experiment in the Upper Rhônevalley (Valais, Switzerland)
    Emmanuel Revaz & Reto Spaar
  • 11 Integrating farmers into a scheme to create a suitable habitat area for the Ortolan Bunting in eastern Groningen, the Netherlands
    Harm de Vries
  • 12 Ökologie einer isolierten Ortolan Population im Tiroler Inntal, Österreich
    Andreas Danzel & Reinhard Lentner
  • 13 Langjährige Ortolan-Beobachtungen östlich von Beelitz (Land Brandenburg)
    Peter Schubert
  • 14 Die Habitatbindung des Ortolans (Emberiza hortulana) in der Prignitz (NW-Brandenburg)
    Vera Bellenhaus & Thomas Fartmann
  • 15 Habitat Choice in Ortolan Bunting - the Importance of Crop Type and Structure
    Markus Deutsch & Peter Südbeck
  • 16 Modellvorhaben "Feldlerchenfenster" für den Ortolan in Unterfranken
    Kristin Gräßel & Alf Pille
  • 17 Song behavior of the Ortolan Bunting in an isolated and patchy Norwegian population
    Tomasz S. Osiejuk, Katatarzyna ?osak, Micha?Skierczy?ski, Kamila Czarnecka, Jakub P. Cygan & Svein Dale
  • 18 Communication network of territorial Ortolan Bunting males - a microphone array study
    Michal Skierczynski, Tomasz S. Osiejuk, Katarzyna Losak & Svein Dale
  • 19 Different spring migration of Ortolan Bunting (Emberiza hortulana) by sex and age at Eilat, Israel
    Piotr Tryjanowski & Stanislaw Kuzniak
  • 20 Fall migration of the Ortolan Bunting Emberiza hortulana along the Atlantic coast, south-western France
    Philippe Girardot, Léa Chaumont & Philippe Mourguiart
  • 21 Migration and non-breeding distribution of European Ortolan Buntings Emberiza hortulana - an overview
    Franz Bairlein, Wolfgang Fiedler, Volker Salewski & Bruno A. Walther
  • 22 Resümee - Action plan
    Petra Bernardy, Peter Südbeck & Hans-Günther Bauer
  • Anhang
    Integratives Schutzkonzept zum Erhalt ackerbrütender Vogelgemeinschaften im hannoverschen Wendland

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Vorwort (Auszug)
Vögel der Agrarlandschaft stehen seit langem unter Druck, ihre Bestände gehen zurück, die Verbreitungsgebiete verkleinern sich. Nutzungsintensivierung, Verlust von Landschaftsstrukturen, Biozideinsatz und andere Faktoren haben Bruterfolg und Brutbestand über lange Zeiten hinweg beständig sinken lassen. Nach Jahren eines eher nachlassenden Flächenbedarfs für landwirtschaftliche Produkte mit steigendem Flächenangebot an Brachflächen und eher erhöhten Anteilen an extensiven Nutzungstypen ist es in jüngster Zeit binnen weniger Jahre zu einer rasanten Entwicklung hin zu höheren Nutzungsintensitäten gekommen, vor allem auch bestimmt durch den enormen Flächenbedarf für nachwachsende Rohstoffe. Den zunehmenden Aktivitäten vieler Bundesländer, Vertragsnaturschutzprogramme auch in Ackerlandschaften anzubieten, läuft dieser starke Flächenhunger diametral entgegen, so dass die Programme für den Schutz der Vögel und die Stabilisierung der Bestände nicht ausreichen.

In der Folge verschärfte sich die Situation vieler speziell an die Agrarlandschaft angepasster Vogelarten, der Bestandsrückgang kann bislang nicht gestoppt werden bzw. verschärft sich sogar, wie die neuesten Roten Listen der gefährdeten Brutvögel z. B. in Deutschland oder in Niedersachsen belegen.

Als typische Vögel der Kulturlandschaft stehen viele dieser gefährdeten Arten in engen Beziehungen zu den ebenfalls dort wohnenden Menschen, ob Feldlerche oder Kiebitz, Rebhuhn oder Rauchschwalbe, sie charakterisieren bestimmte Qualitäten von Landschaften, wie sie typisch für viele Regionen sind und wirken somit Heimat stiftend.

Der Ortolan ist eine typische Vogelart halboffener, Acker geprägter Kulturlandschaften auf wasserdurchlässigen, sandigen Böden. Er benötigt zwingend typische Landschaftselemente wie Baumreihen oder Einzelbäume als Singwarten, und sein Gesang ist ein typisches Klangbild weiter Geestlandschaften, z. B. im Drawehn im östlichen Niedersachsen oder in der Prignitz in Bandenburg. Sein Bekanntheitsgrad ist jedoch nicht mit Feldlerche oder Kiebitz vergleichbar.

Der Ortolan ist im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie gelistet, für diese Arten sind Schutzgebiete zu ihrem dauerhaften Erhalt auszuweisen. Im Zuge dieser Ausweisungsverfahren ist es deshalb in vielen Regionen in der EU zu öffentlichen Debatten um diese Vogelart, ihre Lebensraumansprüche und Schutzanforderungen gekommen. In Niedersachsen wurden bereits seit dem Jahre 2000 intensive Bemühungen unternommen, den erforderlichen Feldvogelschutz sowohl wissenschaftlich als auch praktisch zu verbessern und mehr als bisher möglich auf die Ansprüche des Ortolans, auch als "key species" für die Vogelgemeinschaft dieser trocken-warmen Ackerlandschaften Niedersachsens auszurichten (z. B. Feldlerche, Goldammer, Rebhuhn).

Forschung und Schutz sollten bei diesen Initiativen Hand in Hand gehen, so dass neben einem intensiven Untersuchungsprogramm bald auch ein "Integriertes Schutzkonzept zum Erhalt ackerbrütender Vogelgemeinschaften im hannoverschen Wendland: Ortolanprojekt 2003-2006" begonnen wurde. Dieses Projekt wird mit dem in diesem Band veröffentlichten Abschlussbericht beendet. Die Ergebnisse sind direkt eingeflossen in Vertragsnaturschutzangebote Niedersachsens (PROFIL Kooperationsprogramm Naturschutz FM Nr.: 432). Forschung, Schutzkonzeption und Umsetzung mit und in der Landwirtschaft beeinflussten sich in diesem Projekt in idealer Weise, was somit ein Vorbild auch für andere Programme sein kann.

Seit vielen Jahren schon gibt es einen internationalen Kreis von Ortolan-Forschern wie -Schützern, der sich regelmäßig trifft und neueste Erkenntnisse und Erfahrungen beim Schutz dieser empfindlichen Vogelart austauscht. Im Jahre 2007 wurde das 4. Internationale Ortolan-Symposium vom 8. bis 10. Juni 2007 in Hitzacker durchgeführt, auch um das gerade abgeschlossene Projekt im hannoverschen Wendland einer breiten wissenschaftlichen Gemeinschaft vorzutragen und gemeinsam über die erforderlichen Konsequenzen für einen europaweiten Schutz zu diskutieren. Erfreulicherweise konnten die Initiatoren der vorangegangenen Symposien, Prof. Dr. Hans M. Steiner aus Wien, Dr. Bernd von Bülow aus Haltern sowie Prof. Dr. Tomasz Osiejuk und Prof. Dr. Piotr Tryjanowski aus Posen begrüßt werden. Insgesamt nahmen ca. 80 Teilnehmer aus zehn europäischen Staaten an dieser Fachkonferenz teil. Dabei konnte der wissenschaftliche Blick auf die gesamte Biologie der Art geweitet werden und vor allem die vielen noch völlig unverstandenen Probleme der Art auf dem Zug und in den weithin unbekannten Winterquartieren in die Betrachtung einbezogen werden. Für einen Blick auf die Erhaltung des Ortolans aus europäischer Perspektive ist es von großer Bedeutung, die Ursachen für Habitatwahl und Bestandstrends auf die wichtigsten Schlüsselfaktoren zurückzuführen, wie sie in oberflächlich ganz unterschiedlichen Lebensräumen manifestiert sein können (z. B. Vorhandensein von Singwarten, geeignete Kulturen zur Nahrungssuche und zur Nestanlage sowie einem ausreichenden Nahrungsangebot). Erst die zuverlässige Bestimmung dieser Faktoren lässt einen wirkungsvollen Schutz zu.

Dieser Tagungsband dokumentiert die Ergebnisse des Symposiums und bringt einen weiten Überblick über die Bestands- und Erhaltungssituation des Ortolans in vielen Teilen Deutschlands, aus neun europäischen Staaten werden Studien vorgestellt und erstmalig wird ein Modell zur Winterverbreitung des Ortolans in Afrika publiziert. Insofern liefert der Tagungsband eine aktuelle wissenschaftliche Statusbestimmung zu Biologie, Gefährdung und Schutz des Ortolans in Europa.

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