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Niedersachsen Küstendeiche werden ab sofort höher gebaut als bisher
Steigender Meeresspiegel wird vorsorglich berücksichtigt

Seit der vierte UN-Klimabericht vorliegt, wird der NLWKN immer wieder gefragt: "Sind die Deiche noch sicher?" Diese Frage hat NLWKN-Direktor Siegfried Popp im Jahresbericht 2006 des NLWKN klar beantwortet: Die Deiche sind sicher! Das habe u.a. die extreme Sturmflut vom 1. November 2006 gezeigt.

Weiter heißt es im Jahresbericht: Die Deiche sind deshalb sicherer als jemals zuvor, weil das Land Niedersachsen Jahr für Jahr rund 45 Millionen Euro in den Küstenschutz investiert hat und dies auch weiter tun wird. Küstenschutz ist eine Daueraufgabe, die niemals beendet sein wird. Der Generalplan Küstenschutz hat die Aufgaben für die Festlandsdeiche in den nächsten Jahren vorgegeben: 125 Kilometer Deiche an der niedersächsischen Küste müssen erhöht und verstärkt werden.

Darüber, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang  künftig ein höherer Meeresspiegelanstieg rein vorsorglich berücksichtigen werden soll, haben die Niedersächsische Landesregierung und der NLWKN gemeinsam beraten. Das Ergebnis: Anlässlich des Symposiums "Klimawandel und Küstenschutz" am 6. Juli 2007 in Oldenburg hat Umweltminister Hans-Heinrich Sander entschieden, dass die Küstenschutzdeiche künftig um zusätzliche 25 cm erhöht werden. Die bisherige Sicherheitsreserve von ebenfalls 25 cm wird durch diesen Klimabeiwert verdoppelt.

Die Vorträge vom Symposium finden Sie hier.

Eine globale Erwärmung und ein daraus resultierender beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels werden unstrittig kommen; die Frage ist nur: In welcher Größenordnung? Eine exakte und verlässliche Antwort auf diese Frage kann niemand geben. Bisher haben die Klimaforscher einen Anstieg des Meeresspiegels zwischen 9 bis 88 Zentimeter prognostiziert; jetzt gehen die Verfasser des neuen UN-Klimaberichts davon aus, dass die Spanne zwischen 18 und 59 Zentimetern liegen wird. Die Schwankungsbreiten beruhen vor allem auf unterschiedlichen Szenarien für die weltwirtschaftliche Ent-wicklung und der politischen Entscheidungen zum Klimaschutz sowie auf naturwissenschaftlichen Kenntnisdefiziten, welche die Prognosen zusätzlich beeinflussen. Die verwendeten Szenarien gehen von unterschiedlichen Emissionsraten von Treibhausgasen aus, die einen erheblichen Einfluss auf die globale Erwärmung haben können.

Die Prognosen, die für die Nordsee voraussichtlich noch höhere Werte bedeuten werden, sind ernst zu nehmen, deshalb sollte vorsorglich ein schneller steigender Meeresspiegel berücksichtigt werden. Schon jetzt wird bei Deicherhöhungen und Deichneubauten grundsätzlich ein Anstieg des mittleren Tidehochwassers von 25 cm in den nächsten 100 Jahren eingeplant. Massivbauwerke wie Sperrwerke, Siele und Schutzmauern werden heute schon so gegründet, dass sie nachträglich um bis zu einen Meter nachgerüstet werden können; auch die Deiche können jederzeit erhöht werden. Wesentlich ist zudem, den technischen und wissenschaftlichen Kenntnisstand laufend zu verbessern und den Sicherheitsstandard der Küstenschutzanlagen regelmäßig zu überprüfen.

Der NLWKN verfolgt die Debatte sehr genau und beteiligt sich an europäischen Forschungsvorhaben; er kann dabei auch auf eigene Daten zurückgreifen: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts sind im deutschen Küstengebiet erste Pegel errichtet und betrieben worden, um die Wasserstandsentwicklung zu dokumentieren. Dazu gehört auch der Pegel Norderney. Die Auswertung langer Pegelaufzeichnungen ergibt einen säkularen Anstieg des mittleren Tidehochwassers von ca. 25 cm in 100 Jahren an der offenen Küste. Dieser Anstieg setzt sich aus einer Erhöhung des Wasserspiegels und einer Landsenkung zusammen und unterlag dabei gewissen Schwankungen. Mit dem Norderneyer Pegel kann aber nach wie vor ein beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels nicht nachgewiesen werden.

Meeresspiegel - Anstieg
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