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Sturmfluthäufigkeit am Pegel Norderney
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Küstenschutz und Deichbau in Niedersachsen:
Antworten auf häufig gestellte Fragen

Frage: Der Anstieg des Meeresspiegels wird heftig diskutiert. Ist Niedersachsen darauf vorbereitet?
Antwort: Der Klimawandel ist spürbar, mit den Folgen werden insbesondere die Menschen an der Küste leben müssen. Darüber, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang  künftig ein höherer Meeresspiegelanstieg rein vorsorglich berücksichtigen werden soll, haben die Niedersächsische Landesregierung und der NLWKN schon 2007 gemeinsam beraten. Das Ergebnis: Anlässlich des Symposiums "Klimawandel und Küstenschutz" im Juli 2007 in Oldenburg hat Umweltminister Hans-Heinrich Sander entschieden, dass die Küstenschutzdeiche künftig um zusätzliche 25 cm erhöht werden. Die bisherige Sicherheitsreserve von ebenfalls 25 cm wird durch diesen Klimabeiwert verdoppelt.
Grundsätzlich gilt aber: Die Folgen des Klimawandels sind derzeit nicht genau bekannt, selbst die Meinungen von seriösen Wissenschaftlern gehen auseinander. Eine globale Erwärmung und ein daraus resultierender beschleunigter Anstieg des Meeresspiegels werden unstrittig kommen; die Frage ist nur: In welcher Größenordnung? Eine exakte und verlässliche Antwort auf diese Frage kann niemand geben. Bisher haben die Klimaforscher einen Anstieg des Meeresspiegels zwischen 9 bis 88 Zentimeter prognostiziert; jetzt gehen die Verfasser des UN-Klimaberichts (Frühjahr 2007) davon aus, dass die Spanne zwischen 18 und 59 Zentimetern liegen wird. Die Schwankungsbreiten beruhen vor allem auf unterschiedlichen Szenarien für die weltwirtschaftliche Entwicklung und der politischen Entscheidungen zum Klimaschutz sowie auf naturwissenschaftlichen Kenntnisdefiziten, welche die Prognosen zusätzlich beeinflussen. Die verwendeten Szenarien gehen von unterschiedlichen Emissionsraten von Treibhausgasen aus, die einen erheblichen Einfluss auf die globale Erwärmung haben können. Die Prognosen, die für die Nordsee voraussichtlich noch höhere Werte bedeuten werden, werden vom NLWKN sehr ernst genommen.

Frage: Wieviele Kilometer Deiche gibt es Niedersachsen überhaupt?
Antwort: 1143 Kilometer Deiche an den Küsten, an den tidebeeinflussten Flussmündungen und auf den Inseln – nicht umsonst hat der Küstenschutz für Niedersachsen einen hohen Stellenwert.

Frage: Wie viel Geld steht in Niedersachsen jährlich für den Küstenschutz zur Verfügung?
Antwort: 2009 werden 73 Millionen Euro investiert.

Frage: Wieviel Geld wurde bisher überhaupt in Niedersachsen in den Küstenschutz investiert?
Antwort: Große Fortschritte im Küstenschutz hat es vor allem deshalb gegeben, weil das Land Niedersachsen kontinuierlich seit 1955 umgerechnet mehr als zwei Milliarden Euro in den Küstenschutz investiert hat. Inzwischen sind die höchsten Deiche bis zu neun Meter hoch.

Frage: Wie schätzt der NLWKN die Deichsicherheit in den einzelnen Regionen Niedersachsens ein? Sind die Deiche auch gegen schwere Sturmfluten mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit gerüstet?
Antwort: Seit der vierte UN-Klimabericht vorliegt, wird der NLWKN immer wieder gefragt: "Sind die Deiche noch sicher?" Die Deiche sind sicher! Das hat u.a. die extreme Sturmflut vom 1. November 2006 gezeigt.  Nach der großen Sturmflut von 1953 in den Niederlanden ist man auch in Deutschland vom reagierenden Küstenschutz zum vorsorglichen Küstenschutz übergegangen. Seither wurden und werden die Deiche für zukünftig zu erwartende Belastungen ausgebaut. Die Höhe der Hauptdeiche wird nach dem zu erwartenden höchsten Tidehochwasser bemessen; der Wellenauflauf wird noch hinzugerechnet. Damit sind unsere Deiche auch gegen schwere Sturmfluten mit geringer Eintrittswahrscheinlichkeit gesichert. Einen absoluten Schutz gibt es aber nicht.

Frage: Sind Katastrophen wie im Herbst 2005 im Süden der USA auch in Niedersachsen denkbar?
Antwort: Einen generellen Schutz vor Hochwasser und Sturmfluten gibt es nicht, aber ein Szenario wie in den USA ist nicht denkbar. Denn hier gibt es zwar orkanartige Stürme, aber keine Hurrikans in Verbindung mit einer Sturmflut. Der Unterschied: Selbst beim schlimmsten Sturm an unseren Küsten können die Deiche und andere Küstenschutzanlagen weiter bewacht bzw. beobachtet werden. Im Ernstfall kann der NLWKN sofort eingreifen. Auch die sehr gute Zusammenarbeit der Deichverbände mit dem NLWKN und im Ernstfall mit den Katastrophenschutzbehörden gibt ein gutes Stück Sicherheit.

Frage: Gibt es eine Häufung von Sturmfluten aufgrund des Klimawandels?
Antwort: Ein klares Nein! Vom 1. November 2006 bis einschließlich Mitte März 2008 registrierte der NLWKN insgesamt 28 Sturmfluten. Da tritt bei vielen Beobachtern das subjektive Empfinden einer hohen Sturmfluthäufigkeit auf - eine "gefühlte" Sturmfluthäufigkeit. Das liegt vor allem daran, dass es eine mehrjährige Phase unterdurchschnittlicher Sturmfluthäufigkeit gegeben hat. Das wird in der Grafik "Sturmfluthäufigkeit am Pegel Norderney" sehr schön deutlich (siehe pdf-Datei in der Infospalte!). In den vergangenen Jahren sind zyklische Häufungen von Sturmfluten zu beobachten. Zum Beispiel  waren in den Jahren 1973 bis 1975, 1982/83, 1989/90 und 1992/93 eine besonders hohe Zahl von Sturmfluten zu verzeichnen.  Es sind regelrechte Sturmflutzyklen erkennbar: Dabei können wir langjährig geringe Aktivitäten wie in den 50er und 60er Jahren (und von 2000 bis 2005) und hohe Aktivitäten wie in den 70er bis 90er Jahren feststellen. 

Frage: Wie wird die Bevölkerung im Ernstfall gewarnt?
Antwort: Der NLWKN betreibt für Binnenland und Waterkant unseres Bundeslandes einen Sturmflut- und Hochwasserwarndienst. Im Bedarfsfall werden die betroffenen Kommunen und Institutionen schnell und umfassend informiert. Die Öffentlichkeit wird über das Internetangebot des NLWKN auf dem Laufenden gehalten: Unter der Rubrik  "Aktuelle Messwerte" können Sie - unabhängig von Sturmflut- oder Hochwasserereignissen - die jeweils aktuellen Stände von acht Küsten- bzw. 49 Binnenpegeln abrufen.

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