Wie in den Vorjahren sind die Untersuchungen zum Monitoring am Dümmer im vollen Gange. Bei den Brut- und Gastvögeln haben sich viele positive Entwicklungen eingestellt. Der Fischadler brütet wiederholt am Dümmer. Der Brutbestand der seltenen Trauerseeschwalbe ist von ehemals 20 Paaren auf mittlerweile knapp 100 Paare angestiegen und wieder ein Bestandszentrum in ganz Deutschland geworden. Viele Wiesenvogelarten sind auch dieses Jahr in großen Beständen vertreten. Uferschnepfe, Bekassine, Rotschenkel und Kiebitz konzentrieren sich in den noch im Mai überfluteten oder sehr nassen Wiesenbereichen.
Die Ergebnisse der regelmäßigen Untersuchungen zeigen beachtliche Naturschutz-Erfolge, wie sie europaweit in kaum einem anderen vergleichbaren Projekt erzielt werden konnten. Anfang der 1990er Jahre begannen sich im Natura 2000 Gebiet Dümmer erste Extensivierungsmaßnahmen in größerem Umfang auszuwirken. Im Jahr 2000 wurde durch das erste LIFE-Projekt die Wiedervernässung der südlichen Dümmerniederung abgeschlossen. Ab 2002 wirkten sich die Maßnahmen des zweiten LIFE-Projektes im Flächenumfang sukzessive zunehmend in der westlichen Dümmerniederung aus.
Nach der Eindeichung des Dümmers und der folgenden Trockenlegung im Jahre 1953 waren viele ehemalige Brutvogelarten verschwunden. Seit dem Beginn der Naturschutzmaßnahmen sind viele dieser einst verschwundenen Arten als Brutvogel zurückgekehrt. Darunter sind auch sehr seltene und anspruchsvolle Arten wie der Wachtelkönig oder selbst der Kampfläufer – gegenwärtig der einzig bekannte Fall im gesamten nordwestdeutschen Binnenland .
Die Verteilung der Brutplätze ausgewählter Wiesenvogelarten im Natura 2000 Gebiet "Dümmer" im Jahr 2006
Brutvogelbestand ausgewählter Vogelarten am Dümmer im Jahr 2007
(aus: KÖRNER, F., MARXMEIER, U., RICHTER, M., OSBURG, K. (in Vorb.): Brutvogelerfassung im Natura 2000 - Gebiet Dümmer 2007. Unveröff. Bericht des Naturschutzring Dümmer e.V. im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Naturschutzstation Dümmer, Hüde.)
Vogelart
Anzahl Brutpaare
Knäkente (Anas querquedula)
15
Löffelente (Anas clypeata)
20
Wachtel (Coturnix coturnix)
14
Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana)
3
Wachtelkönig (Crex crex)
15
Kiebitz (Vanellus vanellus)
232
Bekassine (Gallinago gallinago)
62
Uferschnepfe (Limosa limosa)
65
Großer Brachvogel (Numenius arquata)
73
Rotschenkel (Tringa totanus)
3
Feldlerche (Alauda arvensis)
165
Wiesenpieper (Anthus pratensis)
166
Schafstelze (Motacilla flava)
303
Bruterfolge ausgewählter Wiesenvogelarten im Dümmer-Grünland im Jahre 2007
(aus: Körner, F., Marxmeier, U., Richter, M., Osburg, K. (in Vorb.): Brutvogelerfassung im Natura 2000 - Gebiet Dümmer 2007. Unveröff. Bericht des Naturschutzring Dümmer e.V. im Auftrag des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), Naturschutzstation Dümmer, Hüde.)
Schlupferfolg
Bruterfolg
%-Anteil Paare mit Schlupferfolg
%-Anteil Paare mit Bruterfolg
Anzahl flügge Jungvögel pro Brutpaar
Kiebitz
68,2%
42,4%
0,77
Uferschnepfe
81,5%
67,7%
1,21
Großer Brachvogel
54,2%
31,9%
0,32
Bekassine
96,4%
78,6%
?
Die Bestände vieler Wiesenvogelarten zeigen in der Dümmerniederung deutliche Zunahmen. So hat der Bestand des Brachvogel seit Beginn der Naturschutz-Maßnahmen stetig zugenommen. Mit heute knapp 70 Brutpaaren hat sich der Bestand bis 2006 fast verdoppelt.
Besonders hervorzuheben sind die Bestandsentwicklungen der Uferschnepfe. Im Verbreitungsgebiet der Art in Norddeutschland und den Niederlanden ist der Gesamtbestand in den letzten 15 Jahren von ehemals 100.000 Brutpaaren auf jetzt etwas über 30.000 Brutpaare zurückgegangen. In den meisten Gebieten, insbesondere des Binnenlandes setzt sich der Rückgang unvermindert fort, so auch am Dümmer bis in die 1990er Jahre. Demgegenüber konnte seit dem Abschluss des ersten LIFE Projektes am Dümmer (2000) der Rückgang gestoppt und der Trend gar umgekehrt werden..
Bestandsentwicklung der Uferschnepfe im NATURA 2000 Gebiet Dümmer seit Beginn umfangreicher Naturschutzmaßnahmen
Seit der Vernässung der Dümmerniederung nehmen vor allem auch die Rastvogelbestände zu. War die Blässgans noch vor 10 Jahren nur über kurze Zeiträume mit meist nur wenigen hundert Vögeln am Dümmer anzutreffen, so hat sich mittlerweile eine Überwinterungstradition gebildet. Nahezu den gesamten Winter über sind viele tausend Vögel in der Niederung, zu manchen Zeiten werden mehr als 20.000 Exemplare gezählt. Der Kiebitzrastbestand erreicht in den letzten Jahren alljährlich Bestandsgrößen von bis zu 30.000 Exemplaren. Dies entspricht etwa einem Drittel des gesamten niedersächsischen Rastbestandes.
Im Winter rasten zahlreiche Vögel auf den vernässten Wiesen
Heinrich Belting
Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz
Naturschutzstation Dümmer
Am Ochsenmoor 52
49448
Hüde
Tel: 05443 / 1393
Fax: 05443 / 8145