Für den Deichbau in Niedersachsen werden in den kommenden 25 Jahren mehr als 14 Millionen Kubikmeter Klei gebraucht. Für einen Kilometer Deich werden bis zu 200.000 Tonnen Klei benötigt. Mit dem kostbaren Gut muss sorgfältig und wirtschaftlich umgegangen werden, denn der wichtigste Baustoff für Deiche steht nicht unbegrenzt zur Verfügung. Das Thema ist auch ein Schwerpunkt im Jahresbericht 2010 des NLWKN. Den Artikel gibt es in der Infospalte zum downloaden.
Im Zuge der Aufstellung des Generalplans Küstenschutz für Niedersachsen und Bremen wurden alle 610 km Hauptdeiche in Niedersachsen im Jahr 2006 neu vermessen. Aus diesen Daten wurde der Kleibedarf für Niedersachsen ermittelt. Die bis zu zehn Meter hohen Deiche werden als Sandkerndeiche mit einer Kleiabdeckung hergestellt; dabei werden für einen Kilometer Deich bis zu 200.000 Tonnen Klei benötigt.
Die Frage ist also: Ist genug qualitativ guter Klei im Nahbereich der Deichbaustellen vorhanden und verfügbar? Insgesamt weist eine durch den NLWKN beauftragte Bestandsaufnahme eine Fläche von brutto 3.400 km2 aus, auf denen Klei vorkommt. Daraus ergibt sich ein theoretisch verfügbares Kleivolumen von rund fünf Milliarden Kubikmeter. Ein Prozent des vorhandenen Kleivolumens könnten theoretisch den Kleibedarf für die nächsten Jahre decken.
Praktisch sieht das anders aus: Gebraucht werden Flächen zur Kleigewinnung in der Nähe der Deichbaustellen - und das reduziert die Möglichkeiten ungemein. Bei Engpässen haben sich deshalb so genannte Kleisuchprogramme bewährt. Dabei werden zunächst im Rahmen einer Weißkartenkartierung durch andere Nutzungen weniger geforderte Flächen mit Kleivorkommen lokalisiert. In einem zweiten Schritt werden dann ergänzende Untersuchungen zur Kleiqualität durchgeführt. Auf dieser Basis ist dann im Rahmen der erforderlichen Zulassungsverfahren eine Abwägung der Interessen möglich, etwa zwischen Küstenschutz und Naturschutz. Positive Beispiele sind aus dem Bereich des III. Oldenburgischen Deichbandes bekannt.
Die Kleientnahme im Binnenland wird zukünftig nicht leichter. Die Flächen sind irgendwann verbraucht, da eine wiederholte Entnahme nicht möglich ist. Außerdem werden die Ländereien immer teurer. Deshalb wird seit 2006 in jedem Einzelfall geprüft, ob eine Kleigewinnung auch im Deichvorland möglich ist. Der Vorteil: Die Kleipütten verlanden wieder; es gibt damit eine nachhaltige Verfügbarkeit von Klei im Vorland.
Intensiv wird auch über Alternativen zum Baustoff Klei nachgedacht: Zukünftig werden im Einzelfall auch Abdeckungen aus anderen Materialien als Klei möglich sein. In ausgewählten Fällen wird bereits anstelle von Klei Schlick aus der Häfen- oder Hafenschlauchunterhaltung für den Inselschutz eingesetzt. Für scharliegende Deiche mit erhöhter Strömungs- und Seegangsbelastung können höhere Deckwerke aus Naturstein, Bitumen oder Beton auf der Deichaußenböschung eine Lösung sein und Kleiabdeckungen ersetzen. Im Einzelfall ist diese alternative Bauweise bereits heute einer reinen Erdbauweise wirtschaftlich überlegen.
Grundsätze für einen effektiveren Küstenschutz wurden überarbeitet
Die Niedersächsische Landesregierung hat am 5. September 2006 neue "Grundsätze für einen effektiveren Küstenschutz" beschlossen und damit die 1995 beschlossenen Grundsätze fortgeschrieben. Die wesentliche Änderung: Künftig muss abgewogen werden, wie und wo Klei für den Deichbau kostengünstig und umweltverträglich gewonnen werden kann.
Die Presseinformation des Umweltministeriums zu diesem Thema und eine Gegenüberstellung der fortgeschriebenen Grundsätze finden Sie in der Info-Spalte.
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